My home is my castle, not my office

Wenn sich Firmen als familienfreundlich präsentieren wollen, führen sie oft an, dass Eltern bei Krankheit des Kindes oder Ausfall der üblichen Betreuung von zu Hause arbeiten können.

Klingt gut. Funktioniert aber nicht.
Denn Home Office mit Kind ist wie das Trojanische Pferd: Von außen sieht es toll aus und man will es unbedingt haben. Steht es aber erst einmal Wohnzimmer, kommen immer mehr Probleme heraus gekrochen.

Ich habe selbst schon E-Mails bearbeitet und Excel-Tabellen analysiert, während mir mein Sohn auf den Schultern herum geklettert ist – denn selbst bei 38° Fieber ist sein Bewegungsdrang ungebrochen. Es war die Hölle. Ich fühlte mich nicht nur wie eine schlechte Arbeitskraft, sondern auch wie eine schlechte Mutter.
In meiner Not habe ich das kränkelndes Kind vor dem Fernseher geparkt, damit ich zumindest die dringlichsten Aufgaben beenden konnte. Folge: noch mehr schlechtes Gewissen.

Meine Home-Office-Tage mit Kind hatten die folgende Bilanz:
– qualitativ und quantitativ minderwertige Arbeitsleistung
– ein unzufriedenes Kind
– eine gestresste Mutter
wobei sich alle Faktoren gegenseitig verstärken.

„“Frauen haben sich das Recht erstritten, alles gleichzeitig zu können – und zu müssen““, sagt Judith Holofernes in der Zeitschrift Nido (dasselbe gilt selbstverständlich für Väter, die sich bei der Betreuung ihrer Kinder engagieren). Wir wollen uns nicht länger zwischen Kind und Job entscheiden. Wir wollen alles haben! Gleichzeitig!
Doch leider ist Home Office mit Kind eine Mogelpackung mit dem Effekt, dass wir uns an allen Fronten wie Versager fühlen.

Sicher ist es gut, dass viele Firmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, von zu Hause zu arbeiten. Vor allem für Pendler mit einem langer Anfahrtsweg kann das eine Entlastung sein. Wenn man auf einen Handwerker wartet, nebenbei die Waschmaschine füllen möchte oder einfach keine Lust auf die Kollegen hat, ist so ein Home Office-Tag ganz praktisch. Doch sobald betreuungsbedürftige Kinder ins Spiel (bzw. ins Office) kommen, öffnet das Trojanische Pferd die Luken.
Es ist schon schwierig genug, Kind, Arbeit, Haushalt und Schlaf innerhalb von 24 Stunden seriell zu verarbeiten. Müssen jedoch zwei oder mehrere Aufgaben simultan erledigt werden, wird die „Win-Win-“ zur „Lose-Lose-Situation“.

Die Tatsache, dass uns das Home Office als Lösung der Betreuungsprobleme verkauft wird, spricht doch vor allem dafür, dass der Betreuungsaufwand für ein (kleines) Kind unterschätzt wird. Welcher Arbeitgeber würde schon erlauben, dass wir an unseren Home Office-Tagen parallel für einen weiteren Arbeitgeber tätig werden? Mit zwei Laptops und zwei Telefonen am Ohr, die ständig klingeln?

Was Eltern mit kleinen Kindern wirklich hilft, ist Gleitzeit. Wenn ich meinen Sohn vorzeitig von der Kita abholen muss, lege ich die Arbeit komplett nieder (selbstverständlich stimme mich mit Kollegen ab und schreibe bei Bedarf auch noch ein paar Mails von zu Hause). Dann kümmere ich mich den Rest des Tages um mein Kind und organisiere die weitere Betreuung. Die verlorene Zeit hole ich an einem anderen Tag nach. Im Büro. Not my castle, but a much better place to work.

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