Sex, the City and Growing Up

Es verdichten sich die Hinweise darauf, dass ich in den letzten 10 Jahren erwachsen geworden bin: Ich habe studiert, im Ausland gelebt, ein paar nicht blog-geeignete Erfahrungen gemacht, eine geregelte Arbeit aufgenommen, geheiratet, ein Kind bekommen. Dass ich mich wirklich weiter entwickelt habe, wurde mir allerdings erst bewusst, als ich kürzlich angefangen habe, mir zum wiederholten Male die Serie „“Sex and the City““ anzusehen. Das tue ich seit Anfang der 00-er Jahre im regelmäßigen Abstand von 4 Jahren. 4 Jahre ist nämlich genau die Zeitspanne, in der ich so viel von der Handlung vergessen habe, dass es wieder spannend wird (mir war doch tatsächlich die full frontal-Szene mit Smith entfallen?!) und mich noch an so viel erinnere, dass ich mich auf ein Wiedersehen freue.

Bei meiner letzten SatC-Phase – EM-Sommer 2008 in Berlin -– hatte ich die 6 Staffeln in wenigen Wochen durch. Die 2012er Phase hat sich mittlerweile in eine „“Slash-Phase“ verwandelt: 2012/13. Das relevante Zeitfenster zwischen „“Kind schläft““ und „“Mama schläft““ ist einfach sehr klein.
Auch die Art und Weise, wie ich die Serie sehe, hat sich komplett verändert. Früher hielt ich die vier Protagonistinnen für glückliche Frauen, die ein beneidenswert spannendes Leben führen. Bereits 2008 war in mir der Verdacht aufgekeimt, dass ich mit den Damen bei einem Treffen im real life wenig würde anfangen können. 2000 und 2004 hatte ich solche Gedanken noch nicht gehegt. Schon –die Vorstellung, dass wir derselben Spezies angehörten, denselben Planeten bewohnten oder dass ich auch nur jemals so alt sein würde wie die Protagonistinnen, war mir noch zu absurd vorgekommen.

2012/13 musste ich dann der traurigen Wahrheit ins Auge blicken: Ich konnte keine der vier Damen wirklich leiden.

Samanthas Promiskuität stand plötzlich nicht mehr für Feminismus und sexuelle Selbstbestimmung, sondern für die Kompensation seelischer Verletzungen (ja, ich weiß, Küchenpsychologie). Das aufkommende Mitgefühl wusste Samantha erfolgreich mit ihrer grenzenlosen Oberflächlichkeit und ihrem Hass auf Mütter und Kinder zu zerstreuen, der sich in Aussagen wie „“He’’s an asshole““ angesichts des weinenden Babies ihrer Freundin äußert.

Charlotte macht mich mit ihrer naiven Art wahnsinnig. Wer sich zum Ziel setzt, innerhalb eines Jahres verheiratet zu sein, der muss sich nicht wundern, wenn er ein Jahr später wieder geschieden ist. Aber zumindest war der Scheidungsanwalt dann der Mann fürs Leben.

Miranda nervte zu Anfang der Serie mit Neurosen und unspezifischem Männerhass, wurde mir aber mit Beginn ihrer Schwangerschaft zunehmend sympathisch. Ich bin ihr dankbar dafür, dass sie Sätze ausspricht, die unsere interne mütterliche Kontrolleinheit normalerweise zensiert:

““No, he’s not sick. He’s not hungry, he’s not teething, he just wants to scream. I’m doing everything I can but I can’t please him. If he was 35 this is when we would break up.”“

Am schlimmsten finde ich Carrie, und zwar deshalb, weil sie sich zwischen Nymphomanin, Karrierefrau und Naivchen als die „“Normale““ tarnt, eine Frau wie du und ich. Dabei hat sie weder einen „normalen“ Beruf (Kolumnistin), noch ein „normales“ Kaufverhalten (besitzt Schuhe im Wert eines Mittelklassewagens). Sie kann nicht kochen und ist ohne die Errungenschaften der modernen Gesellschaft völlig hilflos: in Staffel 4 wird sie fast wahnsinnig, weil sie ein paar Tage im Wochenendhäuschen ihres Freundes Aidan verbringen muss, das zwar mit Heißwasser, sanitären Anlagen, Strom, einer Küche und sogar Internetzugang ausgestattet ist (und das im Jahr 2001!), aber leider nicht über Klimatisierung verfügt. Nachdem Carrie ihren Freund vor den Kopf gestoßen hat und traumatisiert ob der unerträglichen Umstände („“outdated even by civil war standards““) zurück in die Stadt geflüchtet ist, trifft sie sich direkt zum Dinner mit ihrem Ex –- dem Mann, mit dem sie Aidan betrogen hatte. Feinfühlig, anyone?

Aber auch wenn das alles recht negativ klingen mag, liebe ich die Serie noch immer. Dafür gibt es zwar nicht mehr wie früher vier Gründe, aber zumindest noch zweieinhalb:

Der halbe ist Miranda post pregnancy.

Der zweite ist Mr. Big – und hier bin ich über mich selbst überrascht. Mein 16-, 20- und 24-jähriges Ich konnte nie verstehen, was Carrie in ihm sieht. Ich fand ihn alt (okay, das ist relativ), unattraktiv und war von seinem demonstrativ zur Schau gestellten Bindungsunwillen abgeturnt. „„Was will die tolle Carrie von diesem furchtbaren Typen?“ fragte ich mich damals und drückte mir die Daumen wund für ein Happy End mit Aidan.
Heute sieht das ganz anders aus – und ich verstehe das als den ultimativen Beweis dafür, dass ich erwachsen geworden bin: Big has become friggin’ hot. Was will dieser heiße Typ nur von der nervigen Carrie?

Wobei wir beim dritten Grund wären, warum ich SatC trotz Allem liebe. Seit ich die Serie in der amerikanischen Originalfassung sehe, wird mir immer wieder bewusst, was für fähige Autoren da am Werk waren. Und regelmäßig ertappe ich mich bei der Frage: Wie wollen die das nur ins Deutsche übersetzen, ohne den Witz zu opfern?
Ein gutes Beispiel ist die Aussage von Samantha: „“I’m trisexual –- I’ll try anything once“.“ übersetzt als „“Ich bin prosexuell –- ich probiere alles einmal aus“.“ Auch wenn die Übersetzer hier einen Preis für ihre Kreativität verdienen, ging doch ein Teil des Wortwitzes im Atlantik unter.

Noch einige Beispiele für schöne Wortspiele und Zitate:

“In a relationship, when does the art of compromise become compromising?”“
(Season 4, Episode 9)

““I want fried chicken [for my babyshower]. It’s my shower and I’ll fry if I want to”.“

““How much does a father figure figure?”“
(Season 4 Episode 17)

Fehlen dürfen natürlich auch nicht all die hübschen Wortspiele mit BIG: ““I’m a BIG girl”“ oder ““BIG night”“.
(Season 4 Episode 18).

Und für eine Sache bin ich den Übersetzern besonders dankbar: Dass sie den Titel nicht übersetzt haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s