Geschenke-Overkill und Identitätskrisen

Wer wie ich im Dezember geboren ist, der kennt wahrscheinlich das Phänomen des sich selbst zerstörenden Wunschzettels.
Über die Sommermonate wird die Liste länger und länger, doch wenn der Dezember dann endlich gekommen ist, sind die meisten Wünsche nicht mehr aktuell : Das Schlauchboot hat bei 0 Grad Celsius und Matschwetter seinen Reiz verloren, Ice Watches sind schon wieder out und die ersehnte Killers-CD hat man inzwischen selbst gekauft.

So kommt es zu einem zweiten Phänomen: dem Geschenke-Overkill. Geburtstag und Weihnachten innerhalb von zwei Wochen ist einfach zu viel. Und wenn man sich Anfang Dezember dabei erwischt, anderer Leute Wunschlisten auf Amazon zu durchforsten und Funktionen wie „“beliebte verwandte Artikel““ oder „“das könnte Sie auch interessieren“ Beachtung zu schenken“, auf der verzweifelten Suche nach dem „“Haben wollen“-Gefühl“, dann sollten alle Alarmglocken läuten.

„“Wollen wollen““ ist genauso heimtückisch wie „“Lieben wollen“ oder „“oder „Hassen wollen““: es fühlt sich real an, weil man möchte, dass es funktioniert. Man macht es sich in dem Fake-Gefühl gemütlich, stellt Möbel auf, dekoriert die Wände. Doch irgendwann schlägt auch der langsamste Fake-Detektor an und meldet nicht-lokalisierbare Störungen im Laufwerk. You’ve been punk’d! Und du kannst dich nicht einmal rächen, weil es nur dir selbst schaden würde.
Wenn mir also Anfang Dezember die unumgängliche „G-Frage“ gestellt wird, dann behaupte ich meist, dass ich keine materiellen Wünsche habe. Das ist weder besonders originell noch die Wahrheit, aber wer der „„Wollen wollen““-Spirale entkommen will, muss Abstriche machen. Ohnehin wird die besagte Antworte meist mit bunten Scheinen in einem Umschlag belohnt.

Ein drittes Phänomen, das vor allem Dezember-Kinder betrifft ist „“Gefangen im falschen Geburtsjahr““. Ich bin gerade 29 geworden, aber schon in drei Wochen wird jeder, der mein Geburtsjahr liest, mich für 30 halten. Mehr als 320 Tage im Jahr werde ich älter eingeschätzt als ich bin. Da ich mich gerade erst daran gewöhnt hatte, 28 zu sein, besteht hier eine Diskrepanz von zwei Jahren zwischen dem gefühlten und dem von außen wahrgenommenen Alter. Zu meinem inneren Frieden tragen diese Dinge nicht gerade bei……

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